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Designer-Tische: die Klassiker mit geprüften Daten

Veröffentlicht am Aktualisiert am

Wohnzimmer mit hellem Hochflorteppich: links ein runder Tisch mit weißer Marmorplatte auf weißem Trompetenfuß mit vier braunen Lederstühlen, in der Mitte ein runder Glastisch auf einem Gestell aus feinen Metallstäben, rechts ein niedriger Holztisch mit Baumkante; im Hintergrund dunkle Sideboards, ein helles Sofa und eine Tischleuchte
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Ein Tisch mit Namen kostet ein Vielfaches eines namenlosen, und die Begründung steht selten im Verkaufstext. Sie steht in den Katalogblättern: wer entworfen hat, in welchem Jahr, aus welchem Material, in welcher Auflage und bei welchem Hersteller. Dieser Beitrag geht die bekanntesten Entwürfe durch – und nennt zu jedem nur das, was sich nachlesen lässt.

Was einen Designer-Tisch prüfbar macht

Bei einem Serienmöbel gibt es nichts zu prüfen. Bei einem Klassiker schon: Museen und Rechteinhaber veröffentlichen zu ihren Stücken Material, Maße, Auflagenhöhe und Hersteller. Das Centre Pompidou gibt zur Table Compas von Jean Prouvé nicht nur das Jahr 1948 an, sondern auch die Maße 72 × 174 × 62 cm und die Herkunft aus dem Restaurant der Cité universitaire in Paris.

Diese Angaben sind der eigentliche Unterschied. Sie machen aus einem Möbel ein datiertes Objekt – und sie geben Ihnen einen Vergleichsmaßstab, den kein Händler kontrolliert.

Der Mittelfuß: Saarinens Tulip

Eero Saarinen wollte die Beine unter den Möbeln loswerden. Das Katalogblatt des Victoria and Albert Museum zitiert den Gedanken: Weggelassen würden Beine, die sonst zu „einer Art Metallinstallation“ geraten und bei geformten Sitzmöbeln Sitz und Gestell auseinanderfallen lassen – so entstehe eine neue räumliche Auffassung und eine neue organische Einheit. Saarinen selbst formulierte es kürzer: Er wollte den Stuhl wieder zu einem einzigen Ding machen.

Das Museum datiert den Tulip auf 1956–1957 und nennt Knoll International als Hersteller; das erhaltene Stück besteht aus einer Fiberglasschale auf einem Aluminiumfuß. Dasselbe Prinzip trägt die Tische der Serie: ein einzelner Fuß, der sich zum Boden hin verbreitert, darüber eine Platte, die zu schweben scheint.

Warren Platner ging vom Gegenteil aus. Statt den Unterbau verschwinden zu lassen, machte er ihn zum Ornament: Stahlstäbe, an einen Ring geschweißt, ergeben ein Bündel, das je nach Blickwinkel ein Moiré erzeugt. Der Tisch ist Struktur und Dekor in einem.

Holz als Hauptsache: Finn Juhl und George Nakashima

Der Däne Finn Juhl setzte auf ein anderes Verständnis von Luxus. Seine Silver Table hat eine ovale Platte mit Einlagen aus Sterlingsilber – 30 Stück, ausgezogen 42. Sie sind nicht bloß Schmuck: Sie markieren die Plätze am Tisch. Das Original von 1948 fertigte der Tischlermeister Niels Vodder aus brasilianischem Palisander für die Ausstellung der Kopenhagener Tischlerinnung; House of Finn Juhl legt den Entwurf seit 2014 wieder auf.

Der Amerikaner George Nakashima sah im Holz kein Material, sondern ein gewachsenes Ding. Sein Conoid Table lässt die Baumkante stehen und behält Äste und Risse, statt sie wegzuschneiden. Was anderswo Ausschuss ist, wird hier zum Motiv.

Die französische Schule: Konstruktion und freie Form

Jean Prouvé, der Konstrukteur

Prouvé nannte sich selbst lieber Konstrukteur als Gestalter, und seine Tische geben ihm recht. Die Table Compas von 1948, entworfen für das Restaurant der Cité universitaire in Paris, besteht aus einer mit Schichtstoff belegten Holzplatte auf einem Gestell aus lackiertem Stahlblech. 72 cm hoch, 174 cm lang, 62 cm tief – gebaut für den Dauerbetrieb einer Mensa.

Dieselbe Logik im Maßstab eines Speisesaals zeigt die Table Trapèze im Centre Pompidou: 3,30 m lang, aus gekantetem Stahlblech und Schichtholz, aus der Universität Antony. Das Blech ist hier nicht Verkleidung, sondern das tragende Teil.

Dieselbe Denkweise findet sich auch in seinen Sitzmöbeln, und dort neben denen seiner Zeitgenossen:

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Charlotte Perriand und die freie Platte

Perriands Tische mit amorpher Platte brechen mit dem rechten Winkel – und sie kommen früher, als man annimmt. Das Centre Pompidou bewahrt eine Table en forme von 1938 aus Fichte und gebeizter, lackierter Kiefer, hergestellt mit Les Charpentiers de Paris in fünf Exemplaren. Die Platte misst 188 × 126 cm bei 6,5 cm Stärke, die Höhe beträgt 69 cm.

Vom selben Haus stammt ihr stapelbarer niedriger Tisch von 1954–1955 aus eloxiertem Aluminium: 49 × 53 × 36 cm, gefertigt in neun Exemplaren bei den Ateliers Jean Prouvé in Maxéville, entstanden im Umfeld der Ausstellung „Synthèse des Arts“ und bei Takashimaya in Tokio gezeigt.

Italien: der Bock, der Marmor, das Massivholz

Achille Castiglioni nahm 1969 einen Gegenstand, den jeder kennt – den Bocktisch des Malers –, und machte daraus ein Serienmöbel. Zanotta bezeichnet den Leonardo als erste industrielle Neufassung dieses alten Typs. Die Böcke bestehen aus natürlich getrockneter Buche, jeder aus sechs zusammengesetzten Teilen; zwei Holzdübel geben fünf Höhen zwischen 65 und 91 cm. Die Platte gibt es in gehärtetem Spiegelglas oder als Sperrholz mit weißem Schichtstoff.

Carlo Scarpa, Architekt und Gestalter aus Venedig, arbeitete am anderen Ende der Skala. Bei seinem Tisch Samo trägt ein massiver Marmorfuß mit abgestuftem Profil die Platte; der Unterbau ist hier die Hauptsache, nicht das, was man übersieht. Mario Bellinis La Basilica für Cassina verfährt ähnlich, nur in Massivholz: Die Konstruktion selbst liefert das Ornament.

Ein Flugzeugprofil als Tischbein

Die Fondation Le Corbusier führt einen der bekanntesten Tische des 20. Jahrhunderts unter seinem ursprünglichen Namen: „Table tube d’avion, section ovoïde“, 1928, von Le Corbusier, Pierre Jeanneret und Charlotte Perriand. Das Gestell übernimmt das ovoide Profil, das im Flugzeugbau die Tragflächen der Doppeldecker hielt.

Darauf liegt eine dicke Glasplatte, getragen von fünf Auflagepunkten – und über sie lässt sich die Höhe der Platte verändern. Öffentlich gezeigt wurde der Tisch erstmals im Salon d’Automne 1929, in einem doppelgeschossigen Raum, der die Innenausstattung einer Wohnung vorführte; die dort gezeigte Fassung war grün. Weitere Farben kamen später von Cassina.

Bevor Sie kaufen

Ein Klassiker, der noch unter Urheberrechtsschutz steht, wird nur vom Lizenznehmer hergestellt. Der Preisunterschied zwischen einer offiziellen Auflage und einem Nachbau erklärt sich aus Material, Fertigung und Lizenz – und die Rechtsfrage bleibt davon unberührt, wie sauber ein Nachbau verarbeitet ist.

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Und dann bleibt die banale Prüfung, die niemand ersetzt: Höhe gegen Sitzfläche, Beinfreiheit unter der Platte, Standfestigkeit, Pflege der Oberfläche. Ein Tisch mit Datum, Hersteller und Maßen ist ein gutes Möbel. Ein Tisch, an dem sich niemand bequem sitzen kann, bleibt trotzdem ein schlechtes.

Richtig-oder-falsch-Quiz

Richtig oder falsch: was man über Designer-Tische zu wissen glaubt

  1. Frage 1 / 4

    Der Tulip von Eero Saarinen wurde 1958 entworfen.

    Das V&A datiert ihn auf 1956–1957 und nennt Knoll International als Hersteller: Fiberglasschale auf einem Mittelfuß aus Aluminium. Saarinen wollte die Beine loswerden, die nach seinen Worten zu „einer Art Metallinstallation“ geraten – so entstehe eine neue organische Einheit.

Häufige Fragen

Welche Höhe sollte ein Esstisch haben?
Rechnen Sie im Abstand, nicht in der absoluten Höhe: Über den Sitzkomfort entscheidet die Differenz zwischen Plattenoberkante und Sitzfläche, dazu die Beinfreiheit unter der Platte. Verstellbare Tische zeigen die brauchbare Spanne: Der Leonardo von Achille Castiglioni lässt sich bei Zanotta auf fünf Höhen zwischen 65 und 91 cm einstellen. Messen Sie Ihre Stühle, bevor Sie die Platte kaufen – nicht umgekehrt.
Ist ein Tisch mit Mittelfuß praktischer als einer mit vier Beinen?
Für viele Gäste ja: Nichts stößt gegen die Knie, und ein zusätzlicher Platz entsteht, ohne dass jemand rücken muss. Genau darauf zielte Eero Saarinen mit dem Tulip, dessen Katalogblatt im V&A festhält, dass die Abschaffung der Beine eine neue organische Einheit schafft. Der Preis dafür: Ein einzelner Fuß braucht eine breite, beschwerte Basis und verträgt es schlecht, wenn sich jemand schwer auf den Plattenrand stützt.
Woran erkenne ich eine offizielle Edition?
Ein noch geschützter Entwurf wird nur vom Lizenznehmer hergestellt, der das Stück kennzeichnet und ein Zertifikat mitliefert. Fragen Sie drei Dinge ab: den Namen des Herstellers, die genaue Modellbezeichnung und das Jahr der Auflage – das nicht das Jahr des Entwurfs ist. Museumsblätter wie die des Centre Pompidou oder des V&A nennen Material, Maße und Hersteller und sind damit ein kostenloser Vergleichspunkt.
Wo lassen sich Designer-Tische in einer Sammlung ansehen?
Die Design-Sammlung des Musée national d'art moderne im Centre Pompidou bewahrt mehrere: die Table Compas von Jean Prouvé (1948, 72 × 174 × 62 cm), seine 3,30 m lange Table Trapèze aus der Universität Antony, die Table en forme von Charlotte Perriand (1938) und ihren stapelbaren Aluminiumtisch von 1954–1955. Die Online-Blätter nennen jeweils Material, Maße und Herkunft.

Quellen

  1. 1

    Centre PompidouTable Compas, Jean Prouvé, 1948 – collection Design du Musée national d'art moderne

  2. 2

    Centre PompidouTable centrale dite « Table Trapèze », Jean Prouvé – collection Design

  3. 3

    Centre PompidouTable en forme, Charlotte Perriand, 1938 – collection Design

  4. 4

    Centre PompidouTable basse dite « Table empilable », Charlotte Perriand, 1954-1955 – collection Design

  5. 5

    Victoria and Albert MuseumTulip, Eero Saarinen, 1956-1957, Knoll International

  6. 6

    ZanottaArchetypes: Leonardo – der Bocktisch von Achille Castiglioni

  7. 7

    House of Finn JuhlSilver Table, Finn Juhl, 1948

  8. 8

    Fondation Le CorbusierTable tube d'avion, section ovoïde – Le Corbusier, Pierre Jeanneret, Charlotte Perriand, 1928